Krahl, über den Rudi Dutschke bei einem Treffen nach dem Tode von
Herbert Marcuse sagte: „Er war der Klügste von uns allen“, war
eine charismatische Figur der Studentenrevolte. In aller
Widersprüchlichkeit verkörperte Krahl deren Inhalte und Ziele. Seine
Reden und seine Arbeiten gehören inzwischen zum Mythos der Revolte
von 1968. Vor allem zeigen sie auf deren Entstehungsgeschichte, als
die Bewegung noch nicht in Dogmen erstarrt war und offen für
vielerlei Visionen einer befreiten Gesellschaft - gleichwohl
stigmatisiert von der nationalsozialistischen Vergangenheit. So
konnte Adorno über seinen Lieblingsschüler sagen: „In Krahl, da
hausen die Wölfe.“
Geprägt vom deutschen Idealismus und der Romantik versuchte
Krahl die Kritische Theorie und die versteinerten Traditionen des
Marxismus fruchtbar zu machen, für die Neuformulierung einer
umwälzenden Theorie der Gesellschaft. Die Dogmatisierung der
Studentenbewegung führte zu der Verzweiflung seines letzten Jahres.
Heute leben wir in einer Zeit, in der kapitalistische
Verwertungsinteressen unter dem Stichwort Globalisierung für
überzeitlich und dem menschlichen Zugriff nicht zugänglich gedacht
werden. Gleichzeitig werden alle ökonomischen und politischen Hebel
in Bewegung gesetzt, die Natur des Menschen, seine genetische
Ausstattung und seinen geschundenen Körper diesem Verwertungsprozess
zu unterwerfen.
Die Besinnung auf Krahl und auf die frühe Studentenbewegung
könnte dabei helfen, dieses falsche Denken wieder vom Kopf auf die
Beine zu stellen.
Hans-Jürgen Krahl hat keine lebenden Angehörigen. Deshalb
setzt sich die Initiative Krahl-Gedächtnis für die Erhaltung seines Grabes in Hannover-Ricklingen
ein und bittet um Unterstützung.
Mit
Hilfe der Spendengelder konnte dies im Jahr 2005 gesichert werden.
Der
Oberbürgermeister der Stadt Hannover, Dr. h. c. Herbert Schmalstieg,
hatte sich bereit erklärt einen bedeutenden finanziellen Beitrag zum
Erhalt des Grabes zu leisten, indem die Stadt Hannover den Erhalt
des Grabes von Hans-Jürgen Krahl zusichert, wenn für die Grabpflege
von der Initiative ein entsprechender Betrag übernommen wird. Mit
den Spendengeldern der Unterstützer der Initiative konnte dies im Juni 2005 geschehen. Der Erhalt der
Grabstelle war damit erreicht worden. Das Ziel eines Denksteins
für Hans-Jürgen Krahl konnte erst jetzt im Juni 2007 erreicht
werden. Derzeit ist die Finanzierung dieses Vorhabens noch nicht
endgültig gesichert. Wir bitten daher um Spenden (Kontoangaben auf
der Startseite).
Mit dem Aufbau des Hans-Jürgen Krahl Archiv konnte im Frühjahr
2007 begonnen werden. Ab Mitte Juni wird eine eigene Internetseite
über den Stand dieses Projektes berichten > www.krahl-archiv.de